Mein Leben … – Weihnachtslieder

Weihnachtszeit – ich liebe sie!

Welches Kind tut das nicht auch? Ich liebte die Heimlichkeit dabei und auch, dass es so früh schon dunkel wurde, was es romantischer sein ließ. Wenn es dann noch geschneit hat, war das der Höhepunkt. Ich erinnere mich wie wir auf die Straße gingen – da gab es noch sehr wenig Verkehr – und uns unter die Straßenlaternen stellten und den Flocken zuschauten, wie sie so friedlich herab segelten, drückte ich es immer aus. Diese Stille und wunderbaren Frieden war etwas, das ich bis heute in mir bewahrt habe. Ich liebte es auch, wie der weiße Schnee alles so sauber aussehen ließ, so als ob es keinen Schmutz und Unrat gäbe. Ist das nicht auch, wovon Gott in Jesaja 1,18 spricht: „Dann lasst uns doch miteinander den Rechtsstreit führen“, sagt der Herr. „Selbst wenn eure Sünden scharlachrot sind, sollen sie schneeweiß werden. Eure Sünden mögen blutrot sein, doch sie sollen werden wie Wolle.“

Heutzutage ist ein Kinderzimmer voll mit Spielsachen, das war damals noch nicht so extrem unter einfachen Leuten. Ich hatte eine Puppe und das war so ungefähr alles an Spielzeug neben Brett- und Kartenspielen. Aber da war an Weihnachten noch die Puppenstube und oh wie habe ich mich auf die gefreut.

04-Puppenstube

Dadurch dass sie im Januar nach dem Dreikönigsfest wieder weggeräumt wurde, wurde sie zu etwas ganz Speziellem, auf das ich mich jedes Jahr aufs Neue freute. Wenn dann ein Zimmer im Haus frisch tapeziert werden musste, blieb dabei oft noch ein Rest übrig für eine neue Tapete auch für die Puppenstube.  Sie war sehr einfach mit zwei Räumen, einem Schlaf- und Wohnzimmer.

04-Puppenküche

Doch hatten wir da noch eine große Puppenwohnküche, noch von meiner Mutter her, mit einem richtigen kleinen Herd den man sogar mit solchen Tabletten heizen und im Backofen Plätzchen backen konnte.

Früh am Morgen des Heiligabends hörte ich im Bett, wie mein Vater das alles vom Versteck auf dem Speicher ins Wohnzimmer brachte und von da an war das Wohnzimmer für uns Kinder verschlossen. Dieses Wohnzimmer wurde sowieso nur an besonderen Gelegenheiten benützt. Es war das „gute Zimmer“, das im Winter normalerweise nicht geheizt war, nur an Weihnachten und anderen Festen oder wenn Besuch kam. Und die Puppenstube hieß es, brachte das Christkind, doch ich wusste schon früh, dass meine Eltern das Christkind spielten. Überraschungen sind schön, doch wenn man Kindern vormacht, der Weihnachtsmann und Nikolaus sind real, läuft man damit nicht Gefahr, dass Kinder dann irgendwann denken, dass das „Christkind“ mit seiner wundersamen Geburt, den Engeln und Hirten und Weisen aus dem Morgenland, nicht genauso ein Märchen ist? Nur was Schönes für Kinder?

Aber damals war es schön für mich im Bett im Dunkeln zu liegen und die Geheimnistuerei mit anzuhören. Ich freute mich das ganze Jahr über auf diesen Tag und besonders auf den Abend, wenn ich mit meiner Schwester und Oma in der Wohnküche saß und auf das Glockenläuten wartete. Wir hatten eine kleine Kuhglocke und die wurde geläutet, wenn das Christkind da war, also alles bereit war.

Karlsruhe: Weihnachtsbaumkerzen setzen Zimmer in Brand - Polizeibericht -  Stuttgarter ZeitungWir stürmten zum Wohnzimmer und verharrten an der Tür. Im Zimmer strahlte der Weihnachtsbaum mit der Puppenstube daneben.

Natürlich war da immer eine gewisse Gefahr durch die Kerzen mit dabei und es gab auch immer wieder Tragödien, wenn ein Baum in Flammen aufging, aber daran wollte niemand von uns an Weihnachten denken, nur selbst vorsichtig sein. Wenn am Baum dann noch Wunderkerzen funkelten, war das Romantik pur.  

Foto: Gabi Eder / Pixelio.de

Ich liebte diesen Moment so sehr  Das war der schönste Moment von Weihnachten für mich, all das Warten und die Geheimnistuerei war vorbei und ich konnte das Strahlen des Baumes in mir aufnehmen. Dieses Bild habe ich bis heute noch im Kopf.

Eine Krippe besaßen wir nicht, doch das Bewusstsein, dass es Jesus Geburtstag war, war da. Wir sangen dann Weihnachtslieder und dann endlich kam die Bescherung, wir durften unsere Geschenke aufmachen. Neben Bekleidung und Unterwäsche gab es immer auch etwas Besonderes. Einmal habe ich ein Bettchen für meine Puppe bekommen. Ein Schreiner hat sie für mich gemacht im Gegenzug für eine Hose von meinem Vater. Und einmal bekamen meine Schwester und ich schöne große Puppen von unserer Patentante und meine Mutter hatte eine ganze Schachtel voll Kleidchen und Sachen (aus Stoffresten) dazu genäht. Unsere alten Puppen waren lädiert, hatten Löcher von etwas zu grober Behandlung. Sie waren aus nicht sehr dickem Material, das leicht brach und dann scharfe Kanten bekam. Meine Oma flickte meine indem sie den Kopf mit Zeitungspapier ausstopfte und dann Kerzenwachs als Pflaster drauf tropfen lies. Das sollte verhindern, dass ich mich an dem Gesplitterten schneide und es hat auch gehalten, bis die neue Puppe dann kam. Aber die neuen waren sehr viel größer und stärker und hielten bis fast für die Enkel noch. Ich liebte meine Mutter dafür, dass sie so viel Zeit aufgewendet hat, so viele Sachen für die Puppen zu nähen.

An eine Begebenheit erinnere ich mich noch im Besonderen. Es war der Nikolaustag und ich war krank mit einer Mittelohrentzündung. Meine Oma begleitete mich zum Arzt (meine Mutter wurde im Geschäft gebraucht), der eine kleine Operation unter Vollnarkose vornahm. Solches bleibt einem in Erinnerung, wie der Arzt mir ein Sieb über die Nase hielt, etwas sprühte und ich plötzlich weg war und dann wieder zu mir kam meine Oma sah, die mir sagte, dass alles gut ist. Wieder zu Hause saß ich auf dem Schoß von meiner Oma beim Licht des Adventskranzes und bekam zum ersten Mal in meinem Leben eine Mandarine geschenkt, als kleiner Trost für mein Krank sein. Ich kannte Mandarinen schon von den Amis, die die in Dosen an Kinder verschenkten. Aber das waren frische Mandarinen und so viel leckerer (in den ersten Jahren, in denen Orangen und Mandarinen nach Deutschland kamen, waren sie noch recht teuer). Ob unsere Schuhe auch gefüllt waren von Nikolaus, erinnere ich mich nicht mehr, nur an den Schoß meiner Oma und die Mandarinen.  

Meine Eltern liebten diese alte Tradition das Weihnachtsfest zu feiern, waren aber nur begrenzt religiös oder um es klarer auszudrücken, sie hatten kein Vertrauen in Gott und was ist ein Glaube ohne Vertrauen? Nur noch Traditionen. Mich jedoch haben all die Traditionen schließlich zum Glauben geführt und dazu haben Weihnachtslieder einen großen Teil dazu beigetragen. Es war, als ob die Worte zu mir sprachen, wie „… Welt ging verloren, Christ war geboren, freue dich oh Christenheit.“ Es gab da auch drei Lieder, die wir zu Hause gewöhnlich nicht sangen, die ich aber sehr mochte und die etwas in mir bewirkten, mir sagten, dass es da mehr gab als nur das was meine Eltern hatten. Sie sprachen zu mir, wie aus einer anderen Welt, die fremd für mich war, in die ich aber so gerne eingetreten wäre.

Eines dieser Lieder war „Leise rieselt der Schnee“

Ich träumte vor allem in solchen Jahren vom Schnee, der sanft fällt und den Wald in weihnachtlicher Schönheit glitzern lässt, wenn kein Schnee fiel und keiner zu erwarten war – lauwarme Weihnacht, wie schrecklich – was jetzt aber leider Dauerzustand geworden ist! Dieses Lied beinhaltet auch das „freue dich“, doch wusste ich, dass damit nicht die Geschenke und die Weihnachtsplätzchen gemeint waren.

Ein weiteres Lied, das mein Herz klingen ließ, war „Süßer die Glocken nie klingen“ Das entführte mich in eine Welt von Engeln, von Segen, und Jauchzen, etwas, das ich mir wünschte, das ganze Jahr zu haben. (Ich habe nach einem Video gesucht, auf dem Kinder singen, aber keines Gefunden.)

Das dritte war „Kommet ihr Hirten“ das ich liebte weil es so fröhlich ist. Ich stellte mir dabei die Hirten auf dem Feld vor, und wie sie nach diesem so außergewöhnlichen Erlebnis mit den Engeln begeistert loszogen, um „das liebliche Kindlein zu schaun“. 

Solche Lieder sagten mir, wie ich schon andeutete, dass es da mehr von Gott und Jesus gibt, als meine Familie hatte, und ich wollte davon erfahren, hatte wie einen Hunger danach. Wie ich älter wurde, fing ich an, Weihnachtslieder zu mögen, in denen Schriftstellen besungen wurden, was diesen Wunsch, wie ich ihn heute ausdrücken würde, nämlich Jesus näher kommen zu wollen, noch verstärkte. Schriften aus Jesaja 11,1-2 „Es ist ein Ros entsprungen“ und das Lied aus Sacharja 9,9, das mir wegen seiner Fröhlichkeit besonders gefiel, ein Lied, das aus Händels Messias stammt. (Jemand hat sich einmal Gedanken darüber gemacht, warum so viele Meister der Künste und auch Wissenschaftler früher an Gott geglaubt haben, ob das nur die Zeiterscheinung war, oder …?

Doch je älter ich wurde, umso mehr verlor ich das Glitzern und Funkeln, Singen und Jauchzen von Weihnacht in meinem Herzen. Ich mochte das Erwachsenenleben nicht, in dem sich alles nur um Geld dreht, für das man den ganzen Tag lang schuftet und keine Zeit und Muße mehr hat, um das Schöne um uns herum zu genießen. Wenn ich heute zurückschaue wird mir klar, dass diese Faszination für Geistiges, für Gott, das sich schon früh in mir entwickelt hat, ich in der Welt der Erwachsenen nicht finden konnte und deshalb den Anschluss einfach nicht finden konnte, nur todunglücklich war und schließlich einfach nicht mehr Leben wollte. Wie ich schließlich eine neues Leben bekam, könnt ihr hier nachlesen.  

So viele Menschen können nicht an Gott glauben, warum? Warum haben sie nicht auch solch einen Hunger nach Gott entwickelt, so wie ich. Lassen sie sich einfach nur mit „Dingen“ zufriedenstellen? Mit den Vergnügungen dieser Welt? Die doch aber die Seele niemals zufriedenstellen können. Und ich frag mich, wie wirken sich diese Einschränkungen durch Corona bei ihnen aus, wenn so vieles von dem, was in der Weihnachtszeit ihre Sinne sonst betörten, einfach weg ist? Finden sie irgend einen Ersatz, nur um nicht innerlich still werden und auf diese Botschaft hören zu müssen, die Gott ihnen vielleicht zusenden möchte? Eine Botschaft, die ihnen sagen möchte, dass über all dem Glanz und Glitter etwas ist, etwas sehr viel Höheres, das ihnen so viel mehr geben möchte?

Ich hörte die Glocken am Weihnachtstag
Ihre alten bekannten Weihnachtslieder ringen
Und mild und süß wiederholen sich ihre Lieder
Vom Frieden auf Erden guter Wille für die Menschen

Und die Glocken läuten (Frieden auf Erden)
Wie ein Chor singen sie (Frieden auf Erden)
In meinem Herzen höre ich sie (Friede auf Erden)
Friede auf Erden, guter Wille für die Menschen

Und verzweifelt senkte ich den Kopf
Es gibt keinen Frieden auf Erden, sagte ich
Denn der Hass ist stark und verspottet das Lied
Von Frieden auf Erden, gutem Willen für die Menschen

Aber die Glocken läuten (Frieden auf Erden)
Wie ein Chor, der singt (Frieden auf Erden)
Hört jemand sie? (Frieden auf Erden)
Friede auf Erden, guter Wille für die Menschen

Dann läuteten die Glocken lauter und tiefer
Gott ist weder tot noch schläft er (Friede auf Erden, Friede auf Erden)
Das Falsche wird scheitern, das Richtige siegen
Mit Frieden auf Erden, gutem Willen für die Menschen

Dann klingelnd und singend auf ihrem Weg
Die Welt drehte sich von Nacht zu Tag
Eine Stimme, ein Glockenspiel, ein erhabener Gesang
Von Frieden auf Erden, gutem Willen für die Menschen

Und die Glocken sie läuten (Frieden auf Erden)
Wie ein Chor singen sie (Frieden auf Erden)
Und mit unseren Herzen werden wir sie hören (Friede auf Erden)
Friede auf Erden, guter Wille für die Menschen

Hörst du die Glocken, wie sie läuten? (Frieden auf Erden)
Das Leben, wovon die Engel singen (Friede auf Erden)
Öffne dein Herz und höre sie (Friede auf Erden)
Friede auf Erden, guter Wille für die Menschen
Friede auf Erden, Friede auf Erden
Friede auf Erden, guter Wille für die Menschen

– – –

Ich bin nicht katholisch und werde es auch nie sein, aber ich denke an Weihnachten dürfen wir Maria auch der Ehre gebühren, die sie verdient. Schließlich gäbe es ohne sie und ohne ihrer Hingabe zu Gottes Willen kein Weihnachten, kein Ostern, also keine Wiedergutmachung mit Gott.

Es tut einfach nur gut, dem Gesang auf dem Video zuzuhören.

Und die Tränen auf Marias Gesicht?

Wenn du dich einmal Gott hingegeben hast, deinen eigenen Willen begraben hast, um dich ganz Gottes Willen unterzuordnen, bedeutet das nicht, dass du diese Haltung nun für den Rest deines Lebens hast. Mit jedem Schritt, den du in deinem Leben machst, kommt ein neues entscheiden müssen, ein neues sich fügen müssen und oft mit einer Träne verbunden. Aber ich habe noch nie eine Träne vergossen, die nicht einen wunderbaren Regenbogen in meinem Leben hervorgebracht hat und Höhen von unbeschreiblicher Glückseligkeit und einem immer tieferen Frieden im Herzen.

 

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